Ich führe dieses Gespräch häufig: Jemand ruft an, erklärt, dass die Anfragen nachlassen, die Konkurrenz besser rankt, und dass man jetzt eine neue Website brauche. Modern, schnell, frisches Design. Meine erste Frage lautet dann meist: Woran liegt es Ihrer Meinung nach eigentlich? Die Antwort darauf bestimmt, ob eine neue Website das richtige Mittel ist – oder ob sie das Problem nur überdeckt.

Warum eine neue Website oft nicht das eigentliche Problem löst
Design ist nicht egal. Ganz im Gegenteil. Aber es ist eben nicht immer der Grund dafür, dass eine Website nicht funktioniert.
Es gibt zwei Szenarien, die ich mittlerweile sehr gut kenne.
Szenario 1: Die Website wird gefunden – überzeugt aber nicht
Die Website hat Sichtbarkeit bei Google, rankt für relevante Begriffe und erzeugt ordentlichen Traffic. Trotzdem kommen kaum Anfragen.
Der Grund liegt dann oft nicht im SEO, sondern im Eindruck, den die Seite hinterlässt. Mitbewerber wirken moderner, klarer, vertrauenswürdiger. Wer drei Websites vergleicht und bei zweien sofort versteht, womit er es zu tun hat, entscheidet sich selten für die dritte.
Design ist das Erste, was Besucher bewerten – lange bevor sie einen Text gelesen haben.
Das Schwierige daran: Vielen Unternehmen fällt erst spät auf, dass technische Umsetzung allein nicht ausreicht. Eine Website kann funktional und sogar SEO-technisch solide sein – und trotzdem Vertrauen verlieren, wenn Nutzerführung, Klarheit und visuelle Qualität nicht mithalten.
Szenario 2: Das Design ist gut – aber Google findet die Seite kaum
Das andere Szenario sehe ich genauso häufig: Die Website sieht modern aus, aber bei Google passiert wenig.
Der Grund dafür ist meistens simpel: Über Jahre wurde kaum etwas an Inhalten aufgebaut.
Google bewertet kein Design. Google bewertet Relevanz – und die entsteht über Zeit, durch Inhalte, durch Kontinuität.
Wenn ein Mitbewerber seit Jahren regelmäßig publiziert, Leistungsseiten ausbaut und echte Inhalte schafft, entsteht ein Vorsprung, den ein Relaunch nicht innerhalb weniger Wochen aufholt.
Bevor ich deshalb überhaupt über eine neue Website spreche, schaue ich mir immer beides an:
- Wie sichtbar ist die Website bei Google?
- Und wie wirkt sie auf echte Besucher?
Manchmal ist das Design das Problem. Manchmal der Content. Oft beides.
Warum manche Websites zwar ranken – aber keine Kunden gewinnen
Ein Muster, das ich immer wieder sehe: Die Website wird gefunden, aber für die falschen Themen.
Konkretes Beispiel aus meiner Praxis: Eine etablierte Agentur – seit über zwanzig Jahren am Markt – veröffentlichte über Jahre hinweg hauptsächlich Inhalte für die eigenen Kunden und entwickelte sich dadurch immer stärker zu einem Archiv für Kundenprojekte.
Das Ergebnis: Viel Content, viel Sichtbarkeit – aber fast ausschließlich für Themen, die den Kunden der Agentur helfen, nicht der Agentur selbst. Die eigenen Kompetenzen waren dadurch kaum sichtbar.
Beim Relaunch war es notwendig, dieses Ungleichgewicht anzugehen. Die eigentliche Arbeit beginnt aber erst danach: neue Themenfelder aufbauen, alte Strukturen verlassen und Vertrauen bei Google für die eigenen Leistungen etablieren.
Das funktioniert. Aber eben nicht über Nacht.
Eine neue Website allein ändert daran zunächst nichts. Die falschen Inhalte existieren dann einfach in einem neuen Design weiter.
Warum Relaunches häufig scheitern
Manchmal liegt das eigentliche Problem tiefer – in den internen Strukturen.
Keine klare Zuständigkeit. Keine Zeit für Pflege. Kein Prozess für neue Inhalte. Niemand, der sich langfristig verantwortlich fühlt.
Ein Relaunch löst diese Probleme nicht automatisch. Nach dem Launch folgt dann oft der nächste Stillstand – weil sich hinter der neuen Oberfläche nichts verändert hat.
Was vor einem Website-Relaunch analysiert werden sollte
Deshalb beginne ich Projekte immer mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme:
- Wie sieht die tatsächliche Situation aus? (Analytics, Search Console, XOVI)
- Für welche Begriffe wird man gefunden – und für welche nicht?
- Was haben Mitbewerber in den letzten Jahren aufgebaut?
- Wie realistisch ist es, diese Sichtbarkeit aufzuholen?
- Welche internen Prozesse fehlen?
- Gibt es überhaupt Zeit, Kapazität und Bereitschaft, die Website langfristig weiterzuentwickeln?
Diese Fragen sind weniger greifbar als ein neues Design. Aber genau sie entscheiden darüber, ob ein Relaunch wirklich etwas verändert – oder lediglich Budget verbraucht.
Nach über zwanzig Jahren gehe ich deshalb immer gleich vor:
Erst schauen. Dann reden.
Denn nur wenn klar ist, wo die eigentlichen Probleme liegen, kann eine neue Website tatsächlich etwas bewegen.
Wenn du wissen möchtest, wie deine aktuelle Situation realistisch einzuschätzen ist, melde dich gerne.

Ingo Solbach
Geboren und aufgewachsen in Köln. Hier schreibe ich als Inhaber von i-deesign über die Themen meines Berufsalltags: Webdesign, WordPress & SEO. In meiner Freizeit sieht man mich gerne mit einer Kamera in der Hand oder von hinten auf meinem Motorrad.